Mit dem Segeltaxi zurück ins Leben

„Familien aufs Boot“ ist das Motto der Benefizaktion Segeltaxi. Wenn man die Idee kennt, die dahintersteckt, ist es klar, dass es um ganz besondere Familien geht. Familien, bei denen ein Kind eine schwere Krebstherapie hinter sich hat, waren die Gäste der diesjährigen Segeltaxi-Reise, eine einwöchige Reise durch Kroatien. Betreut wurden sie vom Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.

Segeltaxi ist die Idee von Hannes Schiele. Er starb im August 2008 mit 9 Jahren an Leukämie. Im Alter von 7 Jahren gründete Hannes seine „Firma“ Segeltaxi, deren Ziel es war, Gäste über den Bucher Stausee zu fahren, dafür Geld zu kassieren, wie ein richtiger Taxifahrer und dieses Geld für Menschen zu spenden, die es dringend benötigen. Leider konnte er seine Idee nicht mehr selbst umsetzen. Zwölf Vereine und Institutionen aus dem Ostalbkreis haben 2009 die Segeltaxi-Idee aufgegriffen und konnten bisher über 170000 Euro Spenden für schwer kranke Kinder und ihre Familien sammeln. 

Seit 2014 wird aus den Spenden das Projekt „Segeltaxi – Familien aufs Boot“ finanziert. Traumatisierte Familien gehen für 1 Woche auf Seereise: 1 Woche aufatmen, 1 Woche Lebensqualität, 1 Woche auf der Sonnenseite des Lebens. Betreut durch speziell ausgebildete Pädagogen.

Dieses Jahr waren die eingeladenen Familien mit den vier Betreuern auf einem Motorsegler in der Kvarner Bucht in Kroatien unterwegs. Theresa Teufel-Neff und Felix Sperlich sind zwei der vier Betreuer vom Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen. Der Förderverein unterstützt und begleitet seit über 35 Jahren krebskranke Kinder und Ihre Familien. Während der oft monatelangen und sehr belastenden Therapie finden die Familien im Elternhaus oder Familienhaus eine Heimat auf Zeit. Die umfangreichen Betreuungs- und Beratungsangebote des Fördervereins, wie Kunst- und Musiktherapie, Geschwistertage, Elternkaffee auf den Stationen, Elterngruppen und therapeutisch geleitete Freizeiten, helfen den Kindern und ihren Familien, die schwere Zeit zu überstehen. Die Benefizaktion Segeltaxi passte daher genau in das Konzept des Fördervereins, sodass man sich für eine Kooperation entschied. Teufel-Neff und Sperlich berichten im Interview über die Reise und deren positiven Folgen.

Welcher Gedanke steckt dahinter, Familien mit schwer kranken Kindern solch eine Reise zu ermöglichen?

Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, ist das ein ganz gravierender Einschnitt in das Leben der ganzen Familie. Nicht nur das kranke Kind muss mit der Situation zurechtkommen. Lange Krankenhausaufenthalte werden zumeist von einem Elternteil begleitet, während der andere mit den Geschwistern zuhause die „Stellung hält“. Oft sieht man sich nur zwischen Tür und Angel beim Elternwechsel oder an den wenigen Tagen zwischen zwei Behandlungsblöcken. Vieles dreht sich um das kranke Kind. Nicht selten bleiben dabei die Geschwisterkinder ein Stück weit auf der Strecke und müssen zurückstecken. Angst um das Leben des kranken Kindes und um die Existenz der Familie macht sich breit. Klar, dass so eine Situation über einen sehr langen Zeitraum eine enorme Belastung für eine Familie ist.

Und genau hier kommt das Segeltaxi ins Spiel. Den Gästen wird bei dieser Reise ganz bewusst ihr schwerer Alltag genommen und durch ein anderes, neues, sehr schönes Umfeld ersetzt. Hinzu kommt die besondere Situation auf dem Schiff. Gemeinsam mit Menschen, die diese Lebenslage genau kennen, bieten sich bei dieser Reise ungeahnte Möglichkeiten.

Was hatte diese Reise touristisch zu bieten?

Natur pur gepaart mit romantischen Städtchen, Entspannung, einsame Traumstrände, viel Zeit und Ruhe, sowie zahlreiche Attraktionen des Meeres von Seesternen, Seegurken und Seeigeln über Muscheln bis hin zu Delfinen. Wildes Inselleben vom selbst gebauten Floß bis hin zu den Damhirschen auf Sveti Grgur. 

Wir durften förmlich in eine andere Welt eintauchen. 

Wie war die Atmosphäre an Bord?

Zuerst dachten wir, es wäre eine große Herausforderung mit mehreren Familien auf so engem Raum und hatten Sorge, ob unser Programm ausreichen würde. Schon am ersten Tag zeichnete sich jedoch ab, dass der Umgang in der Gruppe sehr aufgeschlossen und herzlich war. In dieser besonderen Gruppe entwickelte sich schnell eine innige Vertrauensbasis, tiefgreifende Gespräche wurden geführt, jedoch wurde auch viel gemeinsam gelacht. Die Atmosphäre bot also Raum für Emotionen jeglicher Art und brachte gleichzeitig eine Leichtigkeit mit sich. Es stellte sich heraus, dass das Programm, völlig ausreichend war, da sich aus der Gemeinschaft heraus stets verschiedenste Ideen entwickelten. Die Gesellschaftsspiele wurden letztlich unausgepackt wieder mit nach Hause genommen.

Eine Familie war dabei, die zuvor noch nie das Meer gesehen hatte, wie war die Zeit mit dem Segeltaxi für diese Familie?

Die Begeisterung und die Aufregung waren schon bei der Anreise im Bus zu spüren, als das erste Mal das Meer in Sicht war. Die Kinder der Familie drückten sich die Nasen an der Scheibe platt und umarmten sich vor Freude, somit  war die Besonderheit der Situation sofort klar.

Die Kinder gingen mit mutigen Schritten voran und waren schnell mit einem großen Lächeln mit im Wasser. Als auch die Mutter, die es aus kulturellen Gründen nicht gewohnt war, sich ins Wasser traute und es anschließend als Gefühl der Freiheit beschrieb, waren wir alle den Tränen nahe.

Die Kinder konnten vom Badespaß nicht genug bekommen. Während sie zu Beginn der Woche noch stark auf Hilfsutensilien angewiesen waren, konnten sie am Ende der Woche bereits schwimmen.

Beim Segeltaxi haben Sie die Familien etwas besser kennengelernt. Können Sie einschätzen, welche Bedeutung die Freizeit für die Familien hat? 

In der Situation, in der die Familien sind, war die Entscheidung, an der Reise teilzunehmen sicherlich nicht die leichteste. Es zeigte sich jedoch, dass jegliche Sorgen in dieser Woche nach und nach immer weiter in den Hintergrund rückten. Die Familien konnten Gespräche mit Gleichgesinnten führen, die im Alltag eine Menge Energie gekostet hätten. Freundschaften entwickelten sich. Insgesamt schöpften diese Familien in dieser Zeit viel Kraft und neuen Mut.

Eine Mutter beschrieb es in der Abschlussrunde mit den Worten: „Das Segeltaxi war für uns eine Reise zurück ins Leben“

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