Zum Gedenken an Professor Dietrich Niethammer

Am 10. Februar 2020 verstarb im Alter von 80 Jahren der ehemalige Direktor der Universitätskinderklinik Tübingen, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Niethammer. Prof. Niethammer war ein herausragender Vertreter der deutschen universitären Kinderheilkunde, dessen Lebenswerk gekennzeichnet ist einerseits durch große wissenschaftliche Erfolge im Bereich seiner engeren Fachdisziplin, der Hämatologie, Onkologie und Knochenmarkstransplantation und andererseits durch sein Eintreten für eine ganzheitliche medizinische und psychosoziale Versorgung. Dies war sein zentrales Anliegen sowohl in der akademischen Pädiatrie als auch in der allgemeinen Pädiatrie, für die er sich berufs- und wissenschaftspolitisch in hohem Maße eingesetzt hat.

Mit Prof. Niethammer verliert sowohl die deutsche als auch die internationale Kinderheilkunde und vor allem die Hämatologie/Onkologie einen Arzt und Forscher, der sich unermüdlich für das Wohl und die Gesundheit von Kindern eingesetzt hat. Sein weitreichender Blick und seine Visionen haben zu neuen Behandlungsmethoden bei kindlichen Krebserkrankungen geführt, die bis dahin als nicht behandelbar galten. Zahlreiche ehemalige Patienten verdanken ihm ihr Leben.

Prof. Niethammer hatte sich während seiner gesamten Laufbahn neben seinem klinisch-wissenschaftlichen Wirken intensiv mit den ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns beschäftigt. Er hatte früh erkannt, dass neben den schwer erkrankten Patienten auch die gesamte Familie in die Behandlung einbezogen werden muss. Er hat sich auch immer dafür eingesetzt, dass Kindern ein fundamentales Recht auf Offenheit zusteht, was die Prognose ihrer Erkrankung betrifft, selbst wenn es um Fragen nach dem Sterben geht. Er hat erkannt, dass unheilbar erkrankte Kinder Fragen nach dem Sterben verbal und auch nicht verbal stellen und dass das Behandlungsteam diesen Fragen nicht ausweichen darf.

Er war Initiator des Tübinger Modells der „Integrierten Seelsorge“ und war Gründungssprecher der deutschen Psychosozialen Arbeitsgruppe Pädiatrische Onkologie/Hämatologie (PSAPOH) und war maßgeblich an der Etablierung von familiären Nachsorgekonzepten beteiligt, denen heutzutage eine wichtige Funktion in der Nachsorge nach schweren kindlichen Erkrankungen zukommt.

Er ist den großen und kleinen Patienten immer auf gleicher Augenhöhe begegnet und war sich nicht zu schade, auch mal zu einem Kind unter den Tisch zu kriechen, welches sich vor ihm versteckt hatte, was bei seiner Größe von fast 2 Meter nicht ganz einfach war.

Auch der Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen hat Prof. Niethammer viel zu verdanken. Ohne seine Hilfe wäre es vor vielen Jahren nicht möglich gewesen, den Förderverein zu gründen. Für alle Anliegen des Fördervereins hatte er immer ein offenes Ohr und gab dem Förderverein viele Anregungen für sein Engagement für krebskranke Kinder und deren Familien. Auf der anderen Seite konnte der Förderverein durch seine finanzielle Unterstützung und durch viele von ihm initiierte Projekte in hohem Maße die Arbeit von Prof. Niethammer unterstützen.

Der Förderverein denkt mit großer Hochachtung an Prof. Niethammer und sein engagiertes Wirken. Seine visionäre Persönlichkeit und sein großartiges Lebenswerk wird der Förderverein immer in dankbarer Erinnerung behalten.

Zum Gedenken an Professor Dietrich Niethammer

Prof. Dr. Dr. Dietrich Niethammer

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Kommentare (3)

Cornelia Holdenried sagt:

am 18.02.2020 Auf diesen Kommentar antworten

RIP lieber Prof.Niethammer
Du warst ein großartiger Arzt und Mensch.
Du warst uns eine große Stütze ,wir fühlten uns immer gut aufgehoben auf der damaligen Station H.
Mein tiefstes Mitgefühl an die Familie.
Nadine sagt:

am 20.02.2020 Auf diesen Kommentar antworten

Ich kannte ihn von meiner Ausbildung und den Einsätzen auf der C5 West und C5 Süd. Mit ihm gehen viele traurige Herzen. Er war ein Weltklasse Arzt. Sehr menschlich und Patientennahes Arbeiten, schafften eine sofortige Vertrauensbasis zwischen Eltern Patient und Krankenhaus. Unersetzbar, unvergessen und unbegreiflich... Danke für ihre grißartig erbrachte Leistung...
Matthias Laible sagt:

am 03.05.2020 Auf diesen Kommentar antworten

Prof. Niethammer war ein einfühlsamer, geduldiger, ruhiger, immer freundlicher und überragender Arzt, für mich damals manchmal auch Vaterersatz und noch vieles mehr. Ihm habe ich zweimal mein Leben zu verdanken, das erste mal war ich 9 Jahre alt, meine Mutter fuhr mich im letzten Moment nach unendlich langer schmerzhafter Zeit in die Kinderklinik nach Ulm, wo ich gleich von mehreren Ärzten, unter anderem von Dr. Niethammer, noch am selben Abend untersucht und sofort stationär aufgenommen wurde. Wie ich Jahre später erfahren habe, hing zum Zeitpunkt meiner Klinikaufnahme mein Leben an einem seidenen Faden.

Während der Nachuntersuchungszeit gienen wir dann mit Dr. Niethammer mit nach Tübingen, ich bastelte Ihm damals ein Fahrrad aus Draht, welches dann auf seinem Schreibtisch einen Ehrenplatz bekommen hat. In dieser Zeit, es war ein sehr schneereicher Januar, bekam ich dann mit 13 Jahren einen Rückfall und wurde auch sofort wieder stationär aufgenommen. Meine Mutter musste sich damals tagelang zwischen Unterkirchberg und Tübingen über die Alb durch den Schnee kämpfen, um mich zu besuchen, damals gab es noch keine Wohnheime. In Tübingen war ich mehrere Wochen stationär in der alten Kinderklinik untergebracht: Auf der Station gab es mehrere Krankenzimmer, ein gemeinsames Badezimmer, ein gemeinsames WC, eine Küche, Schwesternzimmer und Behandlungsraum, heute gar nicht mehr vorstellbar.
Ich habe damals auch den Tod eines Kumpels aus meinem Zimmer miterlebt. Er hatte auch einen Rückfall erlitten, allerdings in einem kürzeren Abstand als ich.

An diese Zeit in Tübingen kann ich mich noch sehr gut erinnern, ich habe nächtelang gepuzzelt, die Nachtschwestern im Schwesternzimmer unterhalten und hin und wieder auch die Spielzimmerbetreuerin mit in die Stadt in den Spielwarenladen begleitet.

Meine letzten Nachuntersuchungen fanden dann in der neuen Kinderklinik statt. Ich hatte da schon meinen Führerschein und fuhr selbstständig nach Tübingen. Ich bekam dann auch noch von Prof. Niethammer eine sehr ausgiebige Führung in seiner neuen Klinik, von Patientenzimmer, Behandlungszimmer bis in den innersten Forschungsbereich, was natürlich schon sehr beeindruckend war. Er zeigte mir natürlich auch sein persönliches Büro, wo er mir stolz mein Fahrrad aus Draht präsentierte, welches wieder einen Ehrenplatz auf seinem neuen Schreibtisch bekommen hatte.

Vor ein paar Jahren habe ich nach längerer Recherche endlich eine Emailadresse von Ihm bekommen und Ihn angeschrieben, Er hat sich sehr gefreut und wir wollten uns eigentlich noch bei Ihm zu hause treffen, aber dazu hat es leider nicht mehr gereicht. Vielleicht kann ich Ihn dann nochmals an seiner letzten Ruhestätte besuchen um mich nochmal persönlich bei meinem zweimaligen Lebensretter zu bedanken.

Mein tiefstes Mitgefühl gilt natürlich auch seiner Familie. In der Zeit meines klinikaufenthaltes war mein Professsore, wie ich Ihn immer nennen durfte, gefühlt immer bei seinen kleinen Patienten und eigentlich nie bei seiner Familie zuhause.

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