Mitgliederversammlung 2020

Die Mitglieder des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen trafen sich am 06. Oktober 2020 zur jährlichen Mitgliederversammlung im Reinhold-Beitlich-Haus, dem Familienhaus des Fördervereins. Die eigentlich für April angesetzte Mitgliederversammlung wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf den Herbst verschoben und fand nun unter strengsten Schutz- und Hygienemaßnahmen im kleinen Kreis statt.

Die Mitgliederversammlung begann mit einem Bericht des Vorsitzenden Anton Hofmann über zentrale Entwicklungen und erfolgreiche Projekte des Jahres 2019. So führte der Förderverein wieder zahlreiche psychosoziale Angebote für die kranken Kinder und deren Familien durch wie z. B. Kunst- und Musiktherapie, Schreibtherapie, Freizeiten oder Geschwisterangebote. Besonders wichtig ist dem Förderverein neben der psychosozialen Begleitung die Förderung der Forschung der Tübinger Kinderklinik, damit in Zukunft immer mehr Kinderleben gerettet werden können. Mit einem Betrag von etwa 600.000 € wurde die Krebsforschung 2019 maßgeblich unterstützt, u.  a. durch die Finanzierung von Studien, Personalstellen und medizinischen Forschungsgeräten. Die bereits im Jahr 2018 gestarteten Projekte „Erinnerungsbuch für trauernde Eltern“ – ein schreibtherapeutisches Angebot des Fördervereins sowie das Projekt „Mit mentaler Stärke zurück in ein neues Leben“ – ein Mentalcoaching für krebskranke Jugendliche während der Akutbehandlung, haben sich 2019 fest etabliert.

Dominierendes Thema der diesjährigen Mitgliederversammlung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen war aber Corona und die Auswirkungen der Pandemie auf den Förderverein sowie auf die Tübinger Kinderklinik und die Kinder und Familien, die aktuell in Behandlung sind.

„Natürlich war das oberste Prinzip, dass die krebskranken Kinder vor Ansteckung geschützt werden mussten, denn für diese immunsupprimierten Kinder wäre eine Ansteckung mit dem Virus absolut lebensbedrohend gewesen“, so Hofmann. Zuallererst mussten daher die ohnehin schon strengen Hygienestandards verschärft werden. In der Kinderklinik wurden die Kontakte untereinander und mit Besuchern auf das Notwendigste reduziert. Nur noch eine definierte Person durfte das Kind seit Corona in die Klinik begleiten bzw. es besuchen. Geschwisterkinder, Großeltern durften die Klinik lange Zeit gar nicht mehr betreten.

Nach wie vor konnten betroffene Eltern, während ihre Kinder in der Klinik behandelt wurden, in den Häusern des Vereins übernachten, und die Mitarbeiter des Fördervereins taten alles, damit die betroffenen Eltern in dieser schwierigen und belastenden Situation eine sichere Heimat auf Zeit fanden. Besucher wie Spender, Ehrenamtliche oder der Vorstand duften auch beim Förderverein lange Zeit nicht mehr ins Elternhaus und Familienhaus. Als die Infektionszahlen im Juni zurückgingen, wurden auch die Zutritts- und Besuchsregelungen im Elternhaus wieder etwas gelockert, so dass – unter Einhaltung strenger Hygienestandards – zumindest wieder Spendenübergaben stattfinden konnten.

Ganz besonders schmerzlich für den Förderverein und für die betroffenen Familien war, dass fast alle Unterstützungsmaßnahmen des Fördervereins, die für die betroffenen Familien ganz wichtig gewesen wären, ausfallen mussten. Von März bis Juli gab es in der Klinik keine Musik-, Kunst- und Schreibtherapie mehr, die Mentoren, die sonst die Kinder besuchten, konnten ihre wichtige Aufgabe nicht mehr ausüben, die Entspannungsangebote und die regelmäßigen Kaffeetreffen für die betroffenen Eltern auf Station mussten wegen Corona ausfallen.

Besondere Sorgen bereitete dem Förderverein die Entwicklung der Spendengelder. Die Arbeit des Fördervereins wird ausschließlich durch Spenden finanziert, durch Spenden von Privatleuten, Gruppen, Institutionen und in hohem Maße auch von Spenden durch Firmen. Aus diesem Grund hat der Förderverein dann auch eine große Medienoffensive gestartet, um in der Öffentlichkeit weiter sichtbar zu bleiben. Die Resonanz auf diese Offensive war sehr positiv, sodass der Förderverein in den ersten drei Quartalen trotz Corona keinen Spendenrückgang verzeichnete. Unklar ist noch, wie sich die Spenden in der Weihnachtszeit, in der üblicherweise Firmen spenden, entwickelt.

Marion Trieß, Schatzmeisterin des Fördervereins, gab anschließend einen ausführlichen Überblick über die strukturelle und finanzielle Situation des Vereins. Die Anzahl der Mitglieder blieb 2019 konstant; im Vergleich zum Jahr 2018 gab es im Jahr 2019 eine Spenden-Zunahme von etwa 200.000 €.

Trotz aller Einschränkungen durch Corona war es dem Förderverein in Zusammenarbeit mit der Tübinger Kinderklinik möglich, zwei neue Projekte für die betroffenen Kinder und Familien auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit der ARGE (Arbeitsgemeinschaft baden-württembergischer Förderkreise für krebskranke Kinder soll eine so genannten Survivor-Sprechstunde in der Tübinger Kinderonkologie etabliert werden. Diese Sprechstunde können Menschen besuchen, die als Kind an Krebs erkrankt waren und im Erwachsenenalter noch mit Spätfolgen zu kämpfen haben.

Ein weiteres Projekt ist die Studie „Sport bei Krebs“:  Durch ein spezielles bewegungstherapeutisches Trainingsprogramm soll die Erhaltung und der Aufbau der Muskelkraft bei Kindern während des stationären Aufenthaltes im Rahmen der Stammzelltransplantation sowie im Posttransplantationsverlaufes gefördert werden. Ziel der Studie ist die dauerhafte Etablierung eines deutschlandweit einzigartigen physiotherapeutischen Konzepts für Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankung, das sowohl stationär als auch zu Hause mithilfe einer App durchgeführt werden kann.

Ein ganz besonderes Anliegen war es Hofmann zum Abschluss, allen Mitgliedern des Vorstands für ihr großes Engagement für den Förderverein zu danken. Derselbe Dank ging an die Mitarbeiterinnen im Elternhaus und im Familienhaus, die sich das ganze Jahr engagiert und einfühlsam um die Eltern kümmerten, die während der Kliniktherapie ihrer krebskranken Kinder in diesen beiden Häusern wohnten und so gewissermaßen eine Heimat auf Zeit fanden. 

Mitgliederversammlung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen
Mitgliederversammlung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen
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