Hugos Geschichte - Zwischen Himmel und Erde

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagt der Volksmund. Dass er nicht immer recht hat, mussten wir die letzten drei Jahre schmerzlich erleben. Wie wohl viele trauende Eltern erleben wir in unserem Alltag allzu häufig eine schmerzhafte Sprachlosigkeit unserer Umwelt über den Verlust unseres Kindes. Eigentlich auch kein Wunder, denn nach außen hin erscheinen wir als vollkommen idyllische Familie. Dass der Tod unseres kleinen Hugo dennoch eine riesengroße Lücke in unser Leben gerissen hat, unsere Familie zwischen Himmel und Erde zerrissen ist, kann oder will kaum jemand sehen, geschweige denn mit uns darüber sprechen. Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, über den Tod unseres Kindes zu sprechen, um das Unbegreifliche – ansatzweise - begreifen zu können.

. Zeit und Raum zu haben, um als Eltern über unser „Himmels-Kind“ und unseren Trauerprozess sprechen zu dürfen, war deshalb der eine Grund, uns für das Berneuchener Wochenende (Familientrauerfreizeit des Fördervereins, A. d. R.) anzumelden. Uns selbst als Familie mit drei Kindern und damit vollständig zu erleben und wahrgenommen zu werden, unserem verstorbenen Kind die Zeit und den Raum zu geben, den es im Spagat des Familienalltags mit seinen irdischen Alltagsaufgaben zwischen Spielplatz, Elternabend und Kinderkarussell oft zu wenig bekommt, der andere.

Diese Hoffnungen und Erwartungen haben sich erfüllt. So aufwühlend, anstrengend und erschöpfend es war, sich ganz geballt und ohne die Ablenkungen des Alltags dem eigenen Schicksal zu widmen und den Schicksalen der anderen Familien mit Empathie zu begegnen und mitzutrauern, so gut hat es getan. Neben der einfühlsamen Seminarleitung und den vielen Begegnungen und tiefen Gesprächen mit anderen Eltern in ganz unterschiedlichen Trauerstadien hat hierzu auch und ganz besonders eine supertolle Kinderbetreuung beigetragen. Unsere zwei „Erden-Kinder“ hatten definitiv einen riesen Spaß und wir als Eltern Zeit und Raum für unser Sternenkind. 

Beeindruckend war für uns die Vielzahl der Formen, mit der sich Trauer ausdrücken lässt. In bleibender Erinnerung werden uns das Elfchen-Schreiben, das Gestalten eines Erinnerungsorts mit Naturmaterialien auf der grünen Wiese und vor allem das Seifenblasen-Abschiedsritual bleiben. Wir haben eine Fülle von Eindrücken, die uns bis heute beschäftigen und bereichern, und viele bleibende Erinnerungen mit nach Hause genommen. Und den Wunsch nach Wiederholung! 

Wir stellen uns vor
Wir sind Familie Mezger, bestehend aus Katrin (33), Bodo (41), Lotta (6) und den Zwillingen Emil (3) und Hugo (28.06.2016 – 22.08.2016).  Hugo, der ältere unserer zweieiigen Zwillingsjungs, kam (nach einer Bilderbuchschwangerschaft, in der nie ein Krankheitsverdacht aufgekommen war) mit einer sehr seltenen Fehlbildung der Hauptblutgefäße der Leber zur Welt, deren Einordnung als gut- oder bösartig die europaweite Fachwelt der Pathologen spaltete. Trotz mehrerer Operationen gelang es nicht, die Blutversorgung des Organs zu stabilisieren. Das Lebergewebe starb allmählich immer mehr ab, Hugo musste für eine Transplantation gelistet werden. Leider gab es für unser Kind keine passende Organspende, und so verstarb unser kleiner Hugo nach wochenlangem Klinikaufenthalt am 22.08.2016 in Tübingen in unseren Armen und im Beisein seines Zwillingsbruders an Multiorganversagen.

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